Archiv für die Kategorie ‘Politisch unkorrekt’

Exkursion Hiphop Drei: Schläge für Hiphop

Dezember 20, 2008

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„Jetzt sind wir da, und schlagen ein wie eine Bombe“. Genregewöhnlich pompöse Worte in den Zungen von Hollywood „s Finest“ Hank (Soziopath) und Favorite (Harlekin, Anarcho). Seit dem 6. des Monats ist das Kollabo-Album „Schläge für Hiphop“ ausschließlich im Selfmade-Store und nur in limitierter Auflage zu haben. Der Snuffrap in Deutsch, den Tod und abgesonderte Lebensstile verarbeitend und vornehmlich in München und Stuttgart beheimatet, brachte meiner Erfahrung nach besonders in den letzten Jahren einige der sprachlich wie technisch begabtesten Künstler der Branche hervor. Schläge für Hiphop reiht sich wie auch die beiden Einzelpersönlichkeiten Hank und Fave nahtlos in dieses „Schema X“ ein. Man könnte dem Album vorwerfen, die Eloquenz und die Geilheit der Doppelreime, der makellose Flow auch auf komplexere, rawe Beats ginge unter der Fäkalität und auch der Agression unter. Ginge ohne weiteres, ist aber meiner Empfindung nach kein Problem. Nach Außen hin mag das „Klitsch Klatsch“, „Anti Alles“ und der stellenweise eklatante Minimalismus wie total verblödetes Gestammel wirken, aber sobald man sich etwas in die Materie eingefühlt hat, entdeckt man zunächst einen Funken und schließlich eine ganze Faust voller Kunst und vorallem Kraft mit Sarkasmus gegenüber sich selbst und allem Anderen. Blaublütigkeit und Konservativismus in der Kunst in allen Ehren, aber auch wenn die Art von Brutalität, die die Beiden hier verbal praktizieren eine komplett abgeschottete eigene Welt ist, muss man sie innerhalb des Deutschraps in jedem Fall als künstlerische Größe wahrnehmen – die nichtmal beansprucht, eine Form davon zu sein. In Tracks wie „Sozialphobie“ oder „Verstehen Sie Spaß“ steckt weit mehr anarchisches Herumgetanze als konkrete Gesellschaftskritik, das ist keine Frage. Aber gerade diese Diversität der Ausdrucksform ist das schöne an diesem Ohrentrommeln und Pauschalnihilismus: Die Kraft dahinter. Als Musiker braucht man nicht zuletzt schauspielerisches Talent, das vorallem Hank, der Favorite in einigen Tracks maßgeblich die Schau stielt, stark zur Geltung bringen kann. Man will ihm die Rolle als bierflaschenschwingender Poltergeist mit urbösem Grinsen und einem Hang zur Nekrophilie gerne abkaufen. Mit dem insgesamt beinahe noch stärkeren  Soloalbum „Soziopath“ hat er die Qualität gezeigt, die er jetzt hält. Favorite spielt gewissermaßen eine Nebenrolle, zieht das Album aber in seiner Gesamtheit nicht runter und ergänzt Hank um seine noch lockerere, genretypische Art.
Als Gesamtwerk ist Schläge für Hiphop sicherlich ein Highlight des Jahres und sollte sich einmal der bisher vergleichsweise geringe kommerzielle Erfolg einstellen, haben die Beiden zusammen mit einigen ähnlichen Rappern diesen redlich verdient. Wenngleich sich das natürlich aufgrund fehlender gesellschaftlicher Akzeptanz als unmöglich erweisen könnte.

Ohne Hand und Fuß

November 21, 2008

fus2handIn Zeiten, in denen Tammy Wynette nur zwei Minuten lang „Stand by your man“ aus dem Unterkiefer sprudeln lassen musste, um die Menschen glücklich zu machen, muss die Gesellschaft wirklich noch Qualität gehabt haben. Heute gibt Uwe Boll Livechatunterredungen für seine Fans – Jetzt wirds persönlich: Cineastendiskurs von und für geistig zurückgebliebene Mittvierziger – skipullitragende Pseudopsychoesoteriker werfen den letzten Steuerschein dafür ins Feuer, mit Aliens in Kontakt treten zu können – wir haben das Geld, denn wir sind ja bekanntlich Deutschland (und nebenbei auch der Papst) – während Thomas Gottschalk sich vor einem verschneiten Fenster eben diese Fernsehdekadenz bejammernd im Kreis dreht und im nächsten dahinsabbelnden Moment nicht mehr besser ist als das, worüber er sich beschwert. Der Amerikanische, an Blasphemie grenzende Mediengigantismus ist längst Stilsache geworden („Obama puppy will be a shelter dog!“). Aber wie schnell Deutschland dem eigentlich nachgeeifert hat, wurde mir erst in den letzten Wochen enorm bewusst. Ich will mir beileibe keinen Priesterkittel anziehen. In Kenia hat kein Schwein was zu Essen, während Radioteleskope live im Siebten Nachrichten zu entfernten Planeten schicken. Scheiß drauf, wozu gibts schließlich die freie Marktwirtschaft? Ich muss mir weder Roger Whittaker noch die Hochzeitsnacht des aktuellsten Prominentenpaars anschauen. Aber wenn ich im Supermarkt in Glamourzeitschriften und billigen Revolverblättern ersaufe, während zwei ältere, korpulente Frauen mit rot gefärbten, hochtupierten Haaren in tiefstem Bauernbayrisch an der Kasse über die Iu-Äs-Ehläckschns-Toosausnd-Eet unterhalten und dabei eine gefühlte viertel Stunde brauchen, dann wünsche ich mir eine Schubkarre voll Ziegelsteine. Das verliert langsam sowohl an Händen als auch an Füßen. Und ohne die fliegen wir kulturell ganz schnell auf die (bemerkenswert gutgeschminkte) Fresse. Dass wir das tun, ist nur eine Frage der Zeit, aber wenn, dann bitte in Würde.

Medienmisanthropie

November 13, 2008

Bier durch! Endlich! (Ich will diesen Teppich tatsächlich nicht kaufen?) Alles zerstört. Konsumverhalten 2008: Unmenschlich. Der Herbst zieht bereits seine Kreise um die Hüften – Warten auf Lebkuchen. Ich ziehe hier leider nicht weg. Ein gesunder Körper birgt einen gesunden Geist -fast immer, trotzdem kein Sport.
„Und was ist, wenn die GEZ das liest? Ach, die schaut nie auf Blogs nach!“ Großer Halloweenkürbisopferkult ohne Reue. Orange Straßen und Grüne Schulen: Wo sind wir gelandet.  Vorsicht! Nicht erschrecken: Die Coppola-Familie verfilmt demnächst „Pistaziensucht – eine Volkskrankheit“. Wir können sie nicht daran hindern. Obama bald im Weißen Haus. Er hat einen Traum, wir haben ihn auch. Aber man stelle sich mal vor, drinnen isst Bush Deutschländer Würstchen und draußen schreien sie „Yippie Yippie Yeah“! Da streikt meine Darmflora. Katy Perry prügelt sich hinter Rotlichtmilieudiskos mit Sarah Palin um die Rechte der Homosexuellen: Wer kann mehr einstecken und wer muss dann mit dem Taxi nach Hause fahren? Sämtliche Hollywoodprominenten auf Drogenentzug! Wo kommen wir hin, wenn Matthieu Almaric aufhört Pilze zu essen und Kevin Smith auf Kaffee umsteigt? Der erfolgreichste, teuerste Bond seit immer. Kinobesucher mussten medizinisch versorgt werden. „Das kann ja kein Mensch bezahlen!“, waren Alexander K.s letzte Worte, als er in der Nacht vom 10. auf den 11. November nach intensiver ambulanter Behandlung verstarb. Berlins Hymne: Ghetto Ching Ching. MTV behauptet unterdessen, ihr Sender hieße „Me Totally Vomitting“. Regenschirme gelangen in die Top 10 der Deutschen Verbrauchsgüter. Großkotzige Kleinkunst überall, die Welt dreht durch. Good Morning Insanity.

Weltgeschehen vor Ort

Juni 7, 2008

Ein CSU-Bundestagsabgeordneter namens Ernst Hinsken hat es tatsächlich zustande gebracht, ausgerechnet eine 40.000-Menschen-Vorstadt wie Straubing für einen Tag zum Mittelpunkt der Nation zu machen, wenn Angela Merkel und Nicolas Sarkozy am 9. des Monats ein politisches Dinner for Two betagen.  Weltgeschen vor Ort – so etwas kennt der Straubinger schon seit den Römern nicht mehr richtig. Dementsprechend groß ist auch sowohl die Verwirrung als auch die Spannung.

Das Sekretariat lässt bitten, dass „Schüler möglichst zahlreich erscheinen“, das Tagblatt streicht geistreiches wie „Sie davor warnen, dass ich die Weltherrschaft an mich reißen werde“, die EM-Deutschlandfahnen an den Autoantennen verdoppeln sich schlagartig und Test-Esser schleichen inkognito im „Geiss“ herum. Die beiden Staatsoberhäupter wollen sogar einen „Spaziergang über den historischen Stadtplatz“ machen. Ob der dann wohl geräumt wird und was ist, wenn Sarkozy eine Ladung Taubenmist auf die Ohren bekommt, während er Merkel antatscht? Das wird ein Fest.

Stellt sich sonst nur eine Frage: Wo bekomme ich den Pass für die Behindertentribüne her?

Die Frage der Kunstenthemmung

Mai 3, 2008

Andrian Kreye nennt es in seinem Kommentar in der Süddeutschen „Das Ende der Tabus“.

Kunst darf alles. Doch jetzt gibt es zwei Grenzfälle: Ein Konzeptkünstler, der einen Freiwilligen sucht, der öffentlich sterben will. Eine Kunststudentin, die sich künstlich befruchten ließ, hat abgetrieben – das abgegangene Gewebe will sie in einer Ausstellung zeigen. Es bleibt mehr als ein schaler Nachgeschmack.

Nach Kreye kann die provozierende und tabubrechende Kunst des 21. Jahrhunderts nur Schaden anrichten. Durch den Bruch mit Konventionen und das thematisieren von Tabus oder moralischen Kontroversen beschwört diese Art von Kunst nur weitere Meinungspolarisierung und Kontroversität herauf. Sie enthemmt weder, noch bringt sie gesellschaftlichen Fortschritt. Kreye sieht die Aufklärung und den Tabubruch als Heute zu weit fortgeschritten an.

Klingt wie ein Schulaufsatz. Ist auch einer. Herr Kreye hat in dem was er schreibt weitgehend Recht. Was bei Beuys anfing und hier vielleicht endet war und ist ebenso essentiell wie gefährlich für die Gesellschaft. Kunst beeinflusst uns als Menschen und als Teil eines sozialen Systems, das Leben unseres ganzen Intellekts also.

Fragt sich nur: Haben wir diese Art von Pionieren nicht schon immer gebraucht, um fortzuschreiten? Moralisch, Werteartig? Oder bringen wir es von alleine auf eine Lösung zum Beispiel in der Suizid- oder in der Abtreibungsfrage? Braucht es radikale Anreize?

Die neuen Leiden des jungen Wärters

April 10, 2008

Teil der ersten offziellen Streßabbau-Fakultät für Profifussballer. In Niederbayern.Oder: Torgedanken. Autobiografisches Gedankenmaterial.

Ganz schön warm Heute eigentlich. Zumindest daran gemessen..  Ach, das Spiel. Da kommen sie alle hergelaufen. Und auch der Mann mit dem Ball… Wow, der Typ hat mindestens Machgeschwindigkeit. Ist das nicht irgendwie Abseits? Scheiße. Und da laufen sie auch schon wieder weg. Was hab ich heute eigentlich alles gegessen? Nicht viel, könnte meine Kondition erklären. Ich bin schon ganz außer Puste. Vom ganzen Stehen. Aber Hinsetzen ist so spielverderberisch. Irgendwie eine Zwickmühle. Woher kommt eigentlich das Wort? Zwickmühle… Das macht garkeinen Sinn. Gut, wenn man zwei Mühlen nebeneinander Baut und sich einquetschen lässt zwickts vielleicht schon. Aber wer macht denn sowas?  Ob Goethe und Schiller wohl jemals die Länge ihrer Genitalien verglichen haben? Oh nein. Die lebende Rakete wieder. Bumm. Ob das wohl gerade sehr verkrüppelt ausgesehen hat? Naja, drin ist er immerhin mal nicht. Schon ein komisches Spiel eigentlich, Fussball. Irgendwie faszinierend, dass man trotz dieser einfachen Regeln nicht tricksen kann. Ich meine… Es müsste doch eine sicherere Möglichkeit geben, den Ball ins Tor zu kriegen als den Gegner auszuspielen und zu schießen. Naja, darum sollte ich ja froh sein. Ich glaube sobald es tragbare Partikelbeschleuniger gibt, hat der Fußballsport ein Problem. Das ist ein bisschen wie mit Birnen. Seit es Äpfel gibt, will keine Sau mehr Birnen essen. Scheiß die Wand an, wo kam der denn her?! Jaja, ich weiß, ich konzentrier mich doch. Arschlöcher. Wann ist denn dieses verdammte Spiel endlich vorbei, ihr Götter des Schulsports? Der Gott des Schulsports ist sicher ein Nazirentner. Keine Ahnung warum, ist halt so. Halt ein sportlicher Naziopa. Gibts sicher auch, bei der Fülle an Rentnern mit überdimensionalem Aggressionspotential. Der war beim Wunder vom Bern Torwart. Und er besteht komplett aus Stahl und ist genmanipuliert. Am Todesnaziopa kann keiner vorbeischießen. Das Wunder von CERN, Haha. Schön Grünes Gras eigentlich. Ich mag Frühling.
Kann sich der keine Pfeife leisten? Oh, Mist. ich glaube wir haben verloren.