Archiv für die Kategorie ‘Politik’

Die altneue Debatte um Datenfreiheit, Rechtssprechung und Internetautonomie

März 22, 2009

Wieder ein Präzedenzurteil eines Oberlandesgerichtes in punkto Copyrightrechtslage, Internetfreiheiten und Anonymität. Heise.de berichtet Heute von „guten Nachrichten für Forenbetreiber“:

„Die rigide Rechtsprechung des Landgerichts Hamburg bezüglich der Haftung für Internetforen und Blogs sorgt bereits seit Jahren für erhebliche Rechtsunsicherheit unter den Betreibern derartiger Angebote. Dieser Rechtsprechung hatte das Hanseatische Oberlandesgericht nun in einer neuen Entscheidung eine klare Absage erteilt, jetzt liegt auch die schriftliche Begründung des Urteils vom 4. Februar 2009 vor (Az. 5 U 180/07).“

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Lieber Herr Heilmann

November 16, 2008

Schrauben sie bitte ihren Gigantismus (zu ihrem Eigennutzen) etwas zurück. Ihre Person steht hier gegen eine der bedeutendsten menschlichen Errungenschaften des 21. Jahrhunderts.

Danke,
die vieldimensionale Gesellschaft

Nachtrag:
[16. November]: Herr Heilmann hat erklärt, er würde die einstweilige Verfügung zurückziehen. Sobald die Verfügung aufgehoben ist, werden wir unser Suchangebot wiederherstellen. Man lese und staune.

Medienmisanthropie

November 13, 2008

Bier durch! Endlich! (Ich will diesen Teppich tatsächlich nicht kaufen?) Alles zerstört. Konsumverhalten 2008: Unmenschlich. Der Herbst zieht bereits seine Kreise um die Hüften – Warten auf Lebkuchen. Ich ziehe hier leider nicht weg. Ein gesunder Körper birgt einen gesunden Geist -fast immer, trotzdem kein Sport.
„Und was ist, wenn die GEZ das liest? Ach, die schaut nie auf Blogs nach!“ Großer Halloweenkürbisopferkult ohne Reue. Orange Straßen und Grüne Schulen: Wo sind wir gelandet.  Vorsicht! Nicht erschrecken: Die Coppola-Familie verfilmt demnächst „Pistaziensucht – eine Volkskrankheit“. Wir können sie nicht daran hindern. Obama bald im Weißen Haus. Er hat einen Traum, wir haben ihn auch. Aber man stelle sich mal vor, drinnen isst Bush Deutschländer Würstchen und draußen schreien sie „Yippie Yippie Yeah“! Da streikt meine Darmflora. Katy Perry prügelt sich hinter Rotlichtmilieudiskos mit Sarah Palin um die Rechte der Homosexuellen: Wer kann mehr einstecken und wer muss dann mit dem Taxi nach Hause fahren? Sämtliche Hollywoodprominenten auf Drogenentzug! Wo kommen wir hin, wenn Matthieu Almaric aufhört Pilze zu essen und Kevin Smith auf Kaffee umsteigt? Der erfolgreichste, teuerste Bond seit immer. Kinobesucher mussten medizinisch versorgt werden. „Das kann ja kein Mensch bezahlen!“, waren Alexander K.s letzte Worte, als er in der Nacht vom 10. auf den 11. November nach intensiver ambulanter Behandlung verstarb. Berlins Hymne: Ghetto Ching Ching. MTV behauptet unterdessen, ihr Sender hieße „Me Totally Vomitting“. Regenschirme gelangen in die Top 10 der Deutschen Verbrauchsgüter. Großkotzige Kleinkunst überall, die Welt dreht durch. Good Morning Insanity.

Protest ist…

Oktober 22, 2008

Regisseur Uli Edel und Produzent Bernd Eichinger wagen sich nach zahlreichen Verfilmungen erneut an das Thema „RAF“ und befördern in ihrem Drama den Schrecken des Terrors in einer nie da gewesenen Intensität auf die Leinwand. „Der Baader Meinhof Komplex“ ist gewissenhafte Aufarbeitung deutscher Geschichte, welche endlich mit der mystifizierten Revolutionsromantik vergangener Produktionen bricht und ein blutiges, zugleich aber auch realistisches Bild des RAF-Terrors zeichnet.

Seit Jahren nicht nur die budgetträchtigste, sondern auch wohl interessanteste deutsche Verfilmung: „Der Baader-Meinhof Komplex“. Und das auch noch mit einem Thema, das an (ehemaliger) Kontroversität und Heikelkeit in Deutschland kaum zu übertreffen ist. Nach dem Kinobesuch stellt sich bei diesem sicherlich nicht zu unterschätzenden Streifen die Frage: Ist es nur eine zeitgeschichtliche Portraitierung, oder ist es bereits mehr? Stellt man die filmischen Höhen (Spannungsbogen und Schnitt, schauspielerische Leistungen, Kraft der Bilder, Authentizität) und Tiefen (Überlänge, Score, Schwerpunktsetzung) in Zusammenhang mit der Geschichte, ergibt sich etwas, das mir nach mehr aussieht als nur einer nüchternen, halbkünstlerischen Dokumentation der Geschichte dieser ersten Generation der Roten Armee Fraktion. Andreas Baader – wunderbar cholerisch von Moritz Bleibtreu, Martina Gedeck als Ulrike Meinhof (mit einer bewegenden charakterdramaturgischen Darstellung) und Gudrun Ensslin, von Johanna Wokalek dargestellt (linksextremistisch vernarrt und ebenso intensiv wie die Figur des Baaders) – das sind die zentralen Figuren des Baader-Meinhof Komplexes. Und trotz der nüchternen Art des Films, oder auch gerade deswegen, wird er vielleicht emotionaler als gedacht, das Interesse am politischen Geschehen, das eh nur bruchstückhaft abgehandelt wird, rückt schnell in den Hintergrund und spätestens nach Beginn der Verhandlungen wird die Psyche der Charaktere umso anziehender. Daneben aber wühlt die Thematik – und dazu hätte es natürlich nicht noch einen Film über die RAF gebraucht – ein viel allgemeineres und tiefer verwurzeltes Problem auf. Die ständige Folge von Zorn und Kampf, Protest und Opposition, Links und Rechts. Der Zusammenhang von Gewalt und Politik könnte in keiner Geschichte puristischer dargestellt werden, und das ist es auch, was Bernd Eichingers Film den anderen, subjektiveren Stoffverfilmungen trotzdem vorraus hat. Er beschreibt ohne Stellung zu beziehen, ja sogar ohne besonders künstlerisch zu sein, wie der Mensch seine Welt verändert.

In den tatsächlichen Worten Ulrike Meinhofs: „‚Protest ist, wenn ich sage, das und das paßt mir nicht. Widerstand ist, wenn ich dafür sorge, daß das, was mir nicht paßt, nicht länger geschieht.“

Weltgeschehen vor Ort

Juni 7, 2008

Ein CSU-Bundestagsabgeordneter namens Ernst Hinsken hat es tatsächlich zustande gebracht, ausgerechnet eine 40.000-Menschen-Vorstadt wie Straubing für einen Tag zum Mittelpunkt der Nation zu machen, wenn Angela Merkel und Nicolas Sarkozy am 9. des Monats ein politisches Dinner for Two betagen.  Weltgeschen vor Ort – so etwas kennt der Straubinger schon seit den Römern nicht mehr richtig. Dementsprechend groß ist auch sowohl die Verwirrung als auch die Spannung.

Das Sekretariat lässt bitten, dass „Schüler möglichst zahlreich erscheinen“, das Tagblatt streicht geistreiches wie „Sie davor warnen, dass ich die Weltherrschaft an mich reißen werde“, die EM-Deutschlandfahnen an den Autoantennen verdoppeln sich schlagartig und Test-Esser schleichen inkognito im „Geiss“ herum. Die beiden Staatsoberhäupter wollen sogar einen „Spaziergang über den historischen Stadtplatz“ machen. Ob der dann wohl geräumt wird und was ist, wenn Sarkozy eine Ladung Taubenmist auf die Ohren bekommt, während er Merkel antatscht? Das wird ein Fest.

Stellt sich sonst nur eine Frage: Wo bekomme ich den Pass für die Behindertentribüne her?

Die Schwelle

Februar 21, 2008

Jeder Zweite kennt das Buch aus dem Mittelstufenunterricht als Deutschlektüre: Die Welle von Morton Rhue. Und das trotz der Beharrlichkeit auf klassische deutsche Literatur seitens des typischen Gymnasiallehrers. Ich gehöre nicht dazu, was sich wohl als Bildungslücke bezeichnen lässt. Aber ich habe Gestern die neue deutsche und zeitgemäße Verfilmung von Dennis Gansel in der Sneak Preview gesehen.
Das Ergebnis ist eigentlich mehr als interessant. Zwar ist trotz der straffen Inszenierung die Handlung auf leicht wackligen Beinen – es wäre ja bei so einem Stoff auch ein Wunder gewesen, wenn ein deutscher Film mit hauptsächlich Jugenddarstellern das zustande gebracht hätte – aber grundlegend fast schon zu empfehlen. Manche Handlungsstränge und Szenen sind gänzlich uninteressant, aber die Grundidee (womit natürlich mehr das Buch als die Verfilmung zu loben ist) ist soziologisch langweilig, trotzdem irgendwie gut. Ein paar Jugendliche verfallen, nur aus einer einfachen Geimeinschaftsidee heraus, in einen Wahn faschistoider Herkunft. Sie zerstören Eigentum, schließen Andere aus und diabolisieren oder demütigen sie sogar. Nazideutschland in der Klasse eines Berliner Gymnasiums.
Zuletzt wird auch die zuerst gestellte Frage beantwortet: „Ist Diktatur in einem aufgeklärten Land wie der Bundesrepublik überhaupt noch möglich?“. Ja, offensichtlich ist sie das, und mehr noch – die Bilder aus dem Film kommen uns zu vielen Teilen sogar wesentlich bekannt vor. Sind wir nicht die einsamen Bürokratiewölfe, die wir uns wähnen zu sein? Faschismus ist überall.
Und die Hemmschwelle dazu ist mit bloßem Auge nicht erkennbar.

Das politische Leiden der Hyperboräer

Januar 10, 2008

 

Oder: Eine sehr kurze Abendgeschichte, warum nie alle Menschen glücklich sein können.

Dass wir nicht biblischerweise vollkommen sind, ist uns allen bewusst. Das ist einer der Gründe, warum wir uns Hilfsmittel aufgebaut haben. Religion, Spritualität und Organisationsstrukturen wie Staat, Behörde, Gesetz – Politik. Die Zeit, in dem die Gewalt unter Geistlichkeit und weltlichen Herrschern aufgespalten wurde, ist vorbei und die direkte Gewalt der Kirche ist weg, aber die Grundprobleme sind nicht nur in der westlichen Welt erhalten geblieben.
Die sind ganz einfacher, aber ebenso unlösbarer Natur: Der (moderne) Mensch kann sich, erstens, nicht gleichordnen. Kommunismus ist, bedingt durch Ego- und Kapitalismus zu immer schlimmerem Grundscheitern verurteilt. Er kann sich, zweitens, nicht beherrschen. Diktatur und Totalitarismus tragen das selbe Kreuz der Machtgier. Und drittens kann er sich nicht einigen. Eine absolute Demokratie, wie sie die reinste Staatsform wäre, ist Aufgrund seiner Vielfalt und Größenordnung unmöglich.
Also benutzt er auch hier Hilfsmittel und erschafft sich eine scheinbare, plebiszitäre Demokratie. Diese nähert sich dem quasi „allumfassend Menschengerechten“ Punkt an, erreicht ihn aber nie.
Folglich haben wir zwei Möglichkeiten, unsere Situation zu verbessern. Entweder wir versuchen, diesen Nullpunkt so beinahe wie möglich zu erreichen, oder wir führen eine radikale Änderung durch.
Aber das führt uns zur wichtigsten Krux an der Politik: Der Mensch will sich nicht ändern.