Regisseur Uli Edel und Produzent Bernd Eichinger wagen sich nach zahlreichen Verfilmungen erneut an das Thema „RAF“ und befördern in ihrem Drama den Schrecken des Terrors in einer nie da gewesenen Intensität auf die Leinwand. „Der Baader Meinhof Komplex“ ist gewissenhafte Aufarbeitung deutscher Geschichte, welche endlich mit der mystifizierten Revolutionsromantik vergangener Produktionen bricht und ein blutiges, zugleich aber auch realistisches Bild des RAF-Terrors zeichnet.
Seit Jahren nicht nur die budgetträchtigste, sondern auch wohl interessanteste deutsche Verfilmung: „Der Baader-Meinhof Komplex“. Und das auch noch mit einem Thema, das an (ehemaliger) Kontroversität und Heikelkeit in Deutschland kaum zu übertreffen ist. Nach dem Kinobesuch stellt sich bei diesem sicherlich nicht zu unterschätzenden Streifen die Frage: Ist es nur eine zeitgeschichtliche Portraitierung, oder ist es bereits mehr? Stellt man die filmischen Höhen (Spannungsbogen und Schnitt, schauspielerische Leistungen, Kraft der Bilder, Authentizität) und Tiefen (Überlänge, Score, Schwerpunktsetzung) in Zusammenhang mit der Geschichte, ergibt sich etwas, das mir nach mehr aussieht als nur einer nüchternen, halbkünstlerischen Dokumentation der Geschichte dieser ersten Generation der Roten Armee Fraktion. Andreas Baader – wunderbar cholerisch von Moritz Bleibtreu, Martina Gedeck als Ulrike Meinhof (mit einer bewegenden charakterdramaturgischen Darstellung) und Gudrun Ensslin, von Johanna Wokalek dargestellt (linksextremistisch vernarrt und ebenso intensiv wie die Figur des Baaders) – das sind die zentralen Figuren des Baader-Meinhof Komplexes. Und trotz der nüchternen Art des Films, oder auch gerade deswegen, wird er vielleicht emotionaler als gedacht, das Interesse am politischen Geschehen, das eh nur bruchstückhaft abgehandelt wird, rückt schnell in den Hintergrund und spätestens nach Beginn der Verhandlungen wird die Psyche der Charaktere umso anziehender. Daneben aber wühlt die Thematik – und dazu hätte es natürlich nicht noch einen Film über die RAF gebraucht – ein viel allgemeineres und tiefer verwurzeltes Problem auf. Die ständige Folge von Zorn und Kampf, Protest und Opposition, Links und Rechts. Der Zusammenhang von Gewalt und Politik könnte in keiner Geschichte puristischer dargestellt werden, und das ist es auch, was Bernd Eichingers Film den anderen, subjektiveren Stoffverfilmungen trotzdem vorraus hat. Er beschreibt ohne Stellung zu beziehen, ja sogar ohne besonders künstlerisch zu sein, wie der Mensch seine Welt verändert.
In den tatsächlichen Worten Ulrike Meinhofs: „‚Protest ist, wenn ich sage, das und das paßt mir nicht. Widerstand ist, wenn ich dafür sorge, daß das, was mir nicht paßt, nicht länger geschieht.“