Archiv für die Kategorie ‘Philosophisches’

Am Kühlschrank, Diogenes II

Mai 4, 2009

3 [..] Zum „tiefsten Buch, das die Menschheit besitzt“:
Ist es nicht auch (oder – gerade) der Wille des Überwindenden, der überwunden werden muss?

4 [..] Freud hat ein eigenartiges Kunststück vollbracht: Indem er den Begriff des Unterbewussten unverdränglich mit seinem Namen verband, kamen Studierende meilenweit kaum umhin, sich irgendwie in ihn verliebt zu sehen.

5 [..] Dantes Anstieg a Purgatorio ist für jeden bösen Leser eine fürwahre Folter, nachdem er sich dem Inferno mit so viel orchestralischer Fulminanz am Schwanze entlang entriss…

Mit dem Hammer

März 28, 2009

phil

»Er, der nicht in der Gemeinschaft leben kann oder nicht muss, weil er für sich zureichend ist, muss entweder ein Tier oder ein Gott sein.«

»- fehlt der dritte Fall: man muß beides sein – Philosoph.«

J. G. Herder und Humanismus

Oktober 1, 2008

[...] Humanität ist der Charakter unsres Geschlechts; er ist uns aber nur in Anlagen angeboren und muss uns eigentlich angebildet werden. Wir bringen ihm nicht fertig auf die Welt mit; auf der Welt aber soll er das Ziel unsres Bestrebens, die Summe unsrer Übungen, unser Wert sein [...] Das Göttliche in unserm Geschlecht ist also Bildung zur Humanität.

[...] Sie [Griechen der Antike] konnten indessen ebensowenig umhin, in diesem aufrecht blickenden, vernunftartigen Geschlecht all die Mängel zu bemerken, die zum bedauernden Mitgefühl, also zur Humanität und zur Gesellung führen.

Nach Herder ist also die Beziehung zwischen Menschen ein Ergebnis der Humanität, der Angelität des Menschen (die auszubilden sei). Damit steht er in Einklang mit seiner religiös geprägten Biografie. Er begeht  damit aber (selbstverständlich innerhalb meines persönlichen Weltbildes) zweierlei Fehler, die zwei anderen Männern nicht passiert sind: Friedrich Nietzsche und Sokrates. Herder appelliert mit seiner Moral an die erzieherischen Strukturen. Bildet aus! Sokrates verweilt dagegen seinerzeit mit der Idee des philosophischen Gesprächs viel näher am Boden und damit näher am „Aufwärtsblickenden“, am Menschen. Er appelliert dort, wo es notwendig ist, er korrigiert. Sei! Nicht weniger imperativ als religiöse Dogmen, aber das richtigstmögliche. Weitergehend ist die Idee des „göttlichen im Geschlecht“. Nietzsche sieht dieses, wieder sehr typisch, in der Intelligenz statt in der Humanität, und ist damit viel puristischer.

Was ich zu Herder zusätzlich ergänzen will (und was mir bei jedem typischen Theologen gehörig auf den Sack geht): Gesellung und Sozialität folgen nicht aus Humanität, sondern aus unserer eben doch angeborenen Zerstreuungssucht.

Damit meldet sich der Ungelesene zurück aus einer kleinen Sommerpause.

Diogenes-Syndrom in Blogform

Juli 26, 2008

1 [..] Nietzsche ist, was den Willen zur Macht angeht (seine Bekämpfung des menschlichen Leids), aber keineswegs strategisch, er versucht die Heilung mit Wahrheit und hegt Vertrauen in die Skepsis und die Bereitschaft der Menschen zur Zerstreuung. Anders als der Buddhismus, der das Leiden beim Namen nennt und somit dekadent wird ,- und sich, wenn man die Nietzscheanische Erkenntnis voraussetzt, so selbst negiert.

2 [..] Das Grundlegende Problem der neuen Generation ist ihr nahezu unwissentlicher Hedonismus. Die Menschen greifen nach der Metaphysik, nach dem Leben nach dem Tod – das Schillergen, das in jedem von uns steckt – und verdammt uns dazu, unseren Hedonismus verdrängen zu müssen. Wir haben zu viel Einstellung und Tugend, aber zu wenig Erfüllung.

Das politische Leiden der Hyperboräer

Januar 10, 2008

 

Oder: Eine sehr kurze Abendgeschichte, warum nie alle Menschen glücklich sein können.

Dass wir nicht biblischerweise vollkommen sind, ist uns allen bewusst. Das ist einer der Gründe, warum wir uns Hilfsmittel aufgebaut haben. Religion, Spritualität und Organisationsstrukturen wie Staat, Behörde, Gesetz – Politik. Die Zeit, in dem die Gewalt unter Geistlichkeit und weltlichen Herrschern aufgespalten wurde, ist vorbei und die direkte Gewalt der Kirche ist weg, aber die Grundprobleme sind nicht nur in der westlichen Welt erhalten geblieben.
Die sind ganz einfacher, aber ebenso unlösbarer Natur: Der (moderne) Mensch kann sich, erstens, nicht gleichordnen. Kommunismus ist, bedingt durch Ego- und Kapitalismus zu immer schlimmerem Grundscheitern verurteilt. Er kann sich, zweitens, nicht beherrschen. Diktatur und Totalitarismus tragen das selbe Kreuz der Machtgier. Und drittens kann er sich nicht einigen. Eine absolute Demokratie, wie sie die reinste Staatsform wäre, ist Aufgrund seiner Vielfalt und Größenordnung unmöglich.
Also benutzt er auch hier Hilfsmittel und erschafft sich eine scheinbare, plebiszitäre Demokratie. Diese nähert sich dem quasi „allumfassend Menschengerechten“ Punkt an, erreicht ihn aber nie.
Folglich haben wir zwei Möglichkeiten, unsere Situation zu verbessern. Entweder wir versuchen, diesen Nullpunkt so beinahe wie möglich zu erreichen, oder wir führen eine radikale Änderung durch.
Aber das führt uns zur wichtigsten Krux an der Politik: Der Mensch will sich nicht ändern.