Archiv für die Kategorie ‘Gesellschaft’

Die altneue Debatte um Datenfreiheit, Rechtssprechung und Internetautonomie

März 22, 2009

Wieder ein Präzedenzurteil eines Oberlandesgerichtes in punkto Copyrightrechtslage, Internetfreiheiten und Anonymität. Heise.de berichtet Heute von „guten Nachrichten für Forenbetreiber“:

„Die rigide Rechtsprechung des Landgerichts Hamburg bezüglich der Haftung für Internetforen und Blogs sorgt bereits seit Jahren für erhebliche Rechtsunsicherheit unter den Betreibern derartiger Angebote. Dieser Rechtsprechung hatte das Hanseatische Oberlandesgericht nun in einer neuen Entscheidung eine klare Absage erteilt, jetzt liegt auch die schriftliche Begründung des Urteils vom 4. Februar 2009 vor (Az. 5 U 180/07).“

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Ein bisschen Menschen

November 27, 2008

Grübeln über die Dogmatik von Bierwahrheiten, aber Whiskeyabstinenz. Neoatheismus gegen Pfaffe mit Sonnenbrille – die Welt zieht zwangsweise den Kürzeren. Kartoffelphilosophen unter jedem Stein. Und was hab ich damit zu tun? Hingebungsvolle Kopfanarchie, ja, Schreibblockade: Manchmal, aber nicht mit mir. Die Treppen rauf, zudröhnen. Treppen runter, einsteigen, weiterfahren und wieder am Fuß der Treppe stehen. Zu spleenig zum Leben, zu selten zum sterben. Kunstpreis für Blasphemie. Nutten werden dafür bezahlt, sich selbst zu schlagen, Leichenschau wird zur Abendschule und brennende Radkappen fahren der Morgensonne entgegen. Die anderen gehen in die Sonntagsmesse. Alles eine Frage des Glaubens. Therapiebälle für die Welt. Kunst in Leben, Tod und Schnürsenkelbinderei. Können wir noch drüber lachen? Sind wir noch ein bisschen Menschen? Wenn du mich fragst. Hol den Whiskey.

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November 22, 2008

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Die Frage der Kunstenthemmung

Mai 3, 2008

Andrian Kreye nennt es in seinem Kommentar in der Süddeutschen „Das Ende der Tabus“.

Kunst darf alles. Doch jetzt gibt es zwei Grenzfälle: Ein Konzeptkünstler, der einen Freiwilligen sucht, der öffentlich sterben will. Eine Kunststudentin, die sich künstlich befruchten ließ, hat abgetrieben – das abgegangene Gewebe will sie in einer Ausstellung zeigen. Es bleibt mehr als ein schaler Nachgeschmack.

Nach Kreye kann die provozierende und tabubrechende Kunst des 21. Jahrhunderts nur Schaden anrichten. Durch den Bruch mit Konventionen und das thematisieren von Tabus oder moralischen Kontroversen beschwört diese Art von Kunst nur weitere Meinungspolarisierung und Kontroversität herauf. Sie enthemmt weder, noch bringt sie gesellschaftlichen Fortschritt. Kreye sieht die Aufklärung und den Tabubruch als Heute zu weit fortgeschritten an.

Klingt wie ein Schulaufsatz. Ist auch einer. Herr Kreye hat in dem was er schreibt weitgehend Recht. Was bei Beuys anfing und hier vielleicht endet war und ist ebenso essentiell wie gefährlich für die Gesellschaft. Kunst beeinflusst uns als Menschen und als Teil eines sozialen Systems, das Leben unseres ganzen Intellekts also.

Fragt sich nur: Haben wir diese Art von Pionieren nicht schon immer gebraucht, um fortzuschreiten? Moralisch, Werteartig? Oder bringen wir es von alleine auf eine Lösung zum Beispiel in der Suizid- oder in der Abtreibungsfrage? Braucht es radikale Anreize?

Die Schwelle

Februar 21, 2008

Jeder Zweite kennt das Buch aus dem Mittelstufenunterricht als Deutschlektüre: Die Welle von Morton Rhue. Und das trotz der Beharrlichkeit auf klassische deutsche Literatur seitens des typischen Gymnasiallehrers. Ich gehöre nicht dazu, was sich wohl als Bildungslücke bezeichnen lässt. Aber ich habe Gestern die neue deutsche und zeitgemäße Verfilmung von Dennis Gansel in der Sneak Preview gesehen.
Das Ergebnis ist eigentlich mehr als interessant. Zwar ist trotz der straffen Inszenierung die Handlung auf leicht wackligen Beinen – es wäre ja bei so einem Stoff auch ein Wunder gewesen, wenn ein deutscher Film mit hauptsächlich Jugenddarstellern das zustande gebracht hätte – aber grundlegend fast schon zu empfehlen. Manche Handlungsstränge und Szenen sind gänzlich uninteressant, aber die Grundidee (womit natürlich mehr das Buch als die Verfilmung zu loben ist) ist soziologisch langweilig, trotzdem irgendwie gut. Ein paar Jugendliche verfallen, nur aus einer einfachen Geimeinschaftsidee heraus, in einen Wahn faschistoider Herkunft. Sie zerstören Eigentum, schließen Andere aus und diabolisieren oder demütigen sie sogar. Nazideutschland in der Klasse eines Berliner Gymnasiums.
Zuletzt wird auch die zuerst gestellte Frage beantwortet: „Ist Diktatur in einem aufgeklärten Land wie der Bundesrepublik überhaupt noch möglich?“. Ja, offensichtlich ist sie das, und mehr noch – die Bilder aus dem Film kommen uns zu vielen Teilen sogar wesentlich bekannt vor. Sind wir nicht die einsamen Bürokratiewölfe, die wir uns wähnen zu sein? Faschismus ist überall.
Und die Hemmschwelle dazu ist mit bloßem Auge nicht erkennbar.

Das Tyler Durden-Prinzip

Februar 6, 2008

Das Leitersystem ist schnell erklärt. Eine Laienthese, die sicher schon einmal wissenschaftlich formuliert wurde, aber es wäre ja kein „unqualifizierter Gonzo-Journalismus“ wenn ich recherchieren würde. Jedenfalls geht es darum, dass jedes Subjekt in seiner Wahrnehmung auf einer bestimmten Wertungsstufe steht, eine Art „Leiter des Lebens“. Wir sehen Menschen über uns, Menschen die womöglich in unseren Augen besser gestellt sind oder mehr erreicht haben als wir. Auf der anderen Seite sind natürlich auch Menschen unter uns. Aus der Sicht eines anderen Individuums könnte das ganze genau umgedreht oder ganz anders aussehen – je nach Setzung der Prioritäten. Wenn man nun eine Leiterstufe nach oben steigt, steigt das Glück. (Askese als Gegenargument stimmt hier nicht, weil auch diese einen „Aufstieg“ bedeuten würde, nennen wir es eine hedonistisch gestimmte Leiter.) Je höher man steigt, desto tiefer fällt man natürlich und Absturz bedeutet Unglück und Pein. Man steigt und fällt ständig.

Nach einem Kampf ist alles andere im Leben leiser gedreht. Man wird mit allem fertig.

Ich verliere meinen Geldbeutel. Ich ärgere mich fürchterlich, weil ich bemerke, dass ihn jemand gefunden hat und es sich mit meiner Kreditkarte gut gehen lässt. Ich gehe zur Polizei, beschwere mich wild und kann ich der Nacht darauf schlecht schlafen. Damit sinke ich im Leitersystem (Aus welchem Antrieb heraus tut nichts zur Sache, da das nur symbolisch ist). Am nächsten Tag habe ich einen schlimmen Autounfall, bei dem ich hätte sterben können. Mir passiert körperlich nichts, aber ich bin seelisch geschockt. Was passiert? Natürlich, der Geldbeutel ist mir völlig egal. Ich entgrenze mich also aus dem Leitersystem, weil nach diesem Angriff auf meine Überlebensinstinkte geregelte Werte völlig frei von Wert sind und nur das Leben zählt. Der Geldbeutel ist mir genauso egal wie der Burger des Tages oder ob man die Bügelfalte in der Hose auch sieht. Gerade durch das intensive Eindringen von Konsum in unseren Alltag ist es der Leiter möglich, uns so stark zu bestimmen – nicht nur im gesellschaftlichen Sinne, sondern auch durch das „mit sich selbst im Reinen sein“, das heute gepredigt wird. Wie kommt man also in diese Phase des höchsten Glückes, der Entgrenzung, dem Nullpunkt? Wir haben es ganz einfach verlernt, diese Phase aus eigenem Antrieb zu erreichen. Und wir haben nicht den Mut, von der Leiter ins Ungewisse zu springen, in der Hoffnung, dort erwarte uns etwas viel schöneres. Wir möchten nichts aufgeben. Nichts was uns hier hält, in einem stabilen Leben. Ob es nun auf der Straße geführt wird oder in einem Einfamilienhaus, wir haben Prinzipien, wir haben Gewohnheiten, wir sind Abhängig. Es gibt einfach zu wenige Menschen, die noch wissen, wie man lebt.

Das politische Leiden der Hyperboräer

Januar 10, 2008

 

Oder: Eine sehr kurze Abendgeschichte, warum nie alle Menschen glücklich sein können.

Dass wir nicht biblischerweise vollkommen sind, ist uns allen bewusst. Das ist einer der Gründe, warum wir uns Hilfsmittel aufgebaut haben. Religion, Spritualität und Organisationsstrukturen wie Staat, Behörde, Gesetz – Politik. Die Zeit, in dem die Gewalt unter Geistlichkeit und weltlichen Herrschern aufgespalten wurde, ist vorbei und die direkte Gewalt der Kirche ist weg, aber die Grundprobleme sind nicht nur in der westlichen Welt erhalten geblieben.
Die sind ganz einfacher, aber ebenso unlösbarer Natur: Der (moderne) Mensch kann sich, erstens, nicht gleichordnen. Kommunismus ist, bedingt durch Ego- und Kapitalismus zu immer schlimmerem Grundscheitern verurteilt. Er kann sich, zweitens, nicht beherrschen. Diktatur und Totalitarismus tragen das selbe Kreuz der Machtgier. Und drittens kann er sich nicht einigen. Eine absolute Demokratie, wie sie die reinste Staatsform wäre, ist Aufgrund seiner Vielfalt und Größenordnung unmöglich.
Also benutzt er auch hier Hilfsmittel und erschafft sich eine scheinbare, plebiszitäre Demokratie. Diese nähert sich dem quasi „allumfassend Menschengerechten“ Punkt an, erreicht ihn aber nie.
Folglich haben wir zwei Möglichkeiten, unsere Situation zu verbessern. Entweder wir versuchen, diesen Nullpunkt so beinahe wie möglich zu erreichen, oder wir führen eine radikale Änderung durch.
Aber das führt uns zur wichtigsten Krux an der Politik: Der Mensch will sich nicht ändern.

Die Rumkugeln des Atheisten

Dezember 19, 2007

Weihnachten steht vor der Tür, wie man so wunderbar sagt. Den kleinen Bruder Katholizismus hat die Feiertagszeit zuhause gelassen. Denn wenn man etwas von Disney gelernt hat, dann ist es dass sich doch (fast) keiner dem Weihnachtszauber entziehen können. Und das ist spätestens seit der Kommerzialisierung des Festes kein Wunder – Weihnachten ist längst nicht mehr nur ein Odem der Kirche.

Und zu Weihnachten gehören natürlich auch die üblichen Gaben: Spitzbubenplätzchen, Vanillekipferl, Streußelzeug und Gebäcksdings, Weihrauch, Myrre, Gold und auch Rumkugeln. Bis auf den Weihrauch alles leckere Dinge (man denke nur an Olympia, was das Gold angeht)! Ich mag besonders die Rumkugeln. Sie verkörpern alles, was an Weihnachten so schön und fein ist: Eine Ladung Glückshormone in der Schokolade, die entspannte Trägheit und die trunkene Besinnlichkeit des Rums, außerdem natürlich Streußelzeug. Frisch warm sind sie außerdem schmackhafter als kühlgestellt. Und so hat auch der Nicht-Katholik seine Freude am Fest. Er hat einen universellen Grund, sich zu entspannen, was in der heutigen Zeit oft schon schwierig ist. Man braucht beinahe eine Motivation dazu, entspannt zu sein, was sich ja eigentlich sehr paradox anhört. Weihnachten zwingt einfach zur Niederlassung und zum Abschalten, sei es durch pure, absichtliche Faulheit oder einfach durch die Abgrenzung vom Alltagsgeschehen. Es ist eine Zeit der Vorfreude. Abends sitzt man vorm Kachelofen, oder – romatischer, vorm Fernseher, isst Rumkugeln aus Tupperdosen und freut sich darauf, dass malwieder der meistgefeierte Geburtstag der Welt stattfindet. Direkt danach kann man dem neuen Jahr entgegenblicken und sich Wünsche für Sternschnuppen und fürs nächste Jahr ausdenken.
Und auch wenn man das Wetter von Draußen verteufelt, von Innen erscheint es dafür umso schöner. Warum sonst kommen die meisten Kinder im Sommer zur Welt? Natürlich. Rumkugeln.

Stockholm-Syndrom und Drogen

November 12, 2007

Unter dem Stockholm-Syndrom versteht man ein psychologisches Phänomen, bei dem Opfer von Geiselnahmen ein positives emotionales Verhältnis zu ihren Entführern aufbauen. Dies kann dazu führen, dass das Opfer mit den Tätern sympathisiert. Es kann sogar darin münden, dass Täter und Opfer sich ineinander verlieben oder kooperieren.

Jeden Freitag Abend ist jemand in sein Bier verliebt. Er weiß genau, das es nicht gut für ihn ist, aber er liebt es trotzdem. Er läuft die Bar ab, plärrt „noch’nhellesbitte!“ und blickt in das verärgerte Gesicht des Kellners. „Krischte keens mehr, du hassoch eh schon nen Rausch inna Fotzn!“, wenn er noch altruistisch gestimmt ist oder nicht riskieren will, dass sich ein Kasten Paulaner auf seinem Dielenboden entlädt. Dem Säufer ist speiübel und wenn er an Alkohol denkt glaubt er sein Kopf platzt. Aber aus irgend einem völlig realitätsfremden Grund bestellt er weiter. Eigentlich hat er ja Lust auf noch ein Bier.

Gewissermaßen ja ein Phänomen. Und ich denke gerade dieses Phänomen macht einen Rausch bzw. jede Art von legalen oder illegalen Drogen aus der dritten Perspektive erst interessant. Am Anfang gehts dir gut, dann besser und anschließend gehts steil bergab. Warum überschreitet man diese Grenze immer und immerwieder? Weil man zu doof ist seine Grenzen zu kennen oder zu beeinflusst? Ich glaube irgendwo ist da ein masochistisch motivierter Kick.
Und erst der macht das „Fear and Loathing“-Prinzip positiv statt negativ. Man genießt etwas, das einen zerstört. Stockholm-Syndrom.