Grübeln über die Dogmatik von Bierwahrheiten, aber Whiskeyabstinenz. Neoatheismus gegen Pfaffe mit Sonnenbrille – die Welt zieht zwangsweise den Kürzeren. Kartoffelphilosophen unter jedem Stein. Und was hab ich damit zu tun? Hingebungsvolle Kopfanarchie, ja, Schreibblockade: Manchmal, aber nicht mit mir. Die Treppen rauf, zudröhnen. Treppen runter, einsteigen, weiterfahren und wieder am Fuß der Treppe stehen. Zu spleenig zum Leben, zu selten zum sterben. Kunstpreis für Blasphemie. Nutten werden dafür bezahlt, sich selbst zu schlagen, Leichenschau wird zur Abendschule und brennende Radkappen fahren der Morgensonne entgegen. Die anderen gehen in die Sonntagsmesse. Alles eine Frage des Glaubens. Therapiebälle für die Welt. Kunst in Leben, Tod und Schnürsenkelbinderei. Können wir noch drüber lachen? Sind wir noch ein bisschen Menschen? Wenn du mich fragst. Hol den Whiskey.
Archiv für November 2008
Ein bisschen Menschen
November 27, 2008Umblättern
November 22, 2008Ohne Hand und Fuß
November 21, 2008
In Zeiten, in denen Tammy Wynette nur zwei Minuten lang „Stand by your man“ aus dem Unterkiefer sprudeln lassen musste, um die Menschen glücklich zu machen, muss die Gesellschaft wirklich noch Qualität gehabt haben. Heute gibt Uwe Boll Livechatunterredungen für seine Fans – Jetzt wirds persönlich: Cineastendiskurs von und für geistig zurückgebliebene Mittvierziger – skipullitragende Pseudopsychoesoteriker werfen den letzten Steuerschein dafür ins Feuer, mit Aliens in Kontakt treten zu können – wir haben das Geld, denn wir sind ja bekanntlich Deutschland (und nebenbei auch der Papst) – während Thomas Gottschalk sich vor einem verschneiten Fenster eben diese Fernsehdekadenz bejammernd im Kreis dreht und im nächsten dahinsabbelnden Moment nicht mehr besser ist als das, worüber er sich beschwert. Der Amerikanische, an Blasphemie grenzende Mediengigantismus ist längst Stilsache geworden („Obama puppy will be a shelter dog!“). Aber wie schnell Deutschland dem eigentlich nachgeeifert hat, wurde mir erst in den letzten Wochen enorm bewusst. Ich will mir beileibe keinen Priesterkittel anziehen. In Kenia hat kein Schwein was zu Essen, während Radioteleskope live im Siebten Nachrichten zu entfernten Planeten schicken. Scheiß drauf, wozu gibts schließlich die freie Marktwirtschaft? Ich muss mir weder Roger Whittaker noch die Hochzeitsnacht des aktuellsten Prominentenpaars anschauen. Aber wenn ich im Supermarkt in Glamourzeitschriften und billigen Revolverblättern ersaufe, während zwei ältere, korpulente Frauen mit rot gefärbten, hochtupierten Haaren in tiefstem Bauernbayrisch an der Kasse über die Iu-Äs-Ehläckschns-Toosausnd-Eet unterhalten und dabei eine gefühlte viertel Stunde brauchen, dann wünsche ich mir eine Schubkarre voll Ziegelsteine. Das verliert langsam sowohl an Händen als auch an Füßen. Und ohne die fliegen wir kulturell ganz schnell auf die (bemerkenswert gutgeschminkte) Fresse. Dass wir das tun, ist nur eine Frage der Zeit, aber wenn, dann bitte in Würde.
Lieber Herr Heilmann
November 16, 2008Schrauben sie bitte ihren Gigantismus (zu ihrem Eigennutzen) etwas zurück. Ihre Person steht hier gegen eine der bedeutendsten menschlichen Errungenschaften des 21. Jahrhunderts.
Danke,
die vieldimensionale Gesellschaft
Nachtrag:
[16. November]: Herr Heilmann hat erklärt, er würde die einstweilige Verfügung zurückziehen. Sobald die Verfügung aufgehoben ist, werden wir unser Suchangebot wiederherstellen. Man lese und staune.
Medienmisanthropie
November 13, 2008Bier durch! Endlich! (Ich will diesen Teppich tatsächlich nicht kaufen?) Alles zerstört. Konsumverhalten 2008: Unmenschlich. Der Herbst zieht bereits seine Kreise um die Hüften – Warten auf Lebkuchen. Ich ziehe hier leider nicht weg. Ein gesunder Körper birgt einen gesunden Geist -fast immer, trotzdem kein Sport.
„Und was ist, wenn die GEZ das liest? Ach, die schaut nie auf Blogs nach!“ Großer Halloweenkürbisopferkult ohne Reue. Orange Straßen und Grüne Schulen: Wo sind wir gelandet. Vorsicht! Nicht erschrecken: Die Coppola-Familie verfilmt demnächst „Pistaziensucht – eine Volkskrankheit“. Wir können sie nicht daran hindern. Obama bald im Weißen Haus. Er hat einen Traum, wir haben ihn auch. Aber man stelle sich mal vor, drinnen isst Bush Deutschländer Würstchen und draußen schreien sie „Yippie Yippie Yeah“! Da streikt meine Darmflora. Katy Perry prügelt sich hinter Rotlichtmilieudiskos mit Sarah Palin um die Rechte der Homosexuellen: Wer kann mehr einstecken und wer muss dann mit dem Taxi nach Hause fahren? Sämtliche Hollywoodprominenten auf Drogenentzug! Wo kommen wir hin, wenn Matthieu Almaric aufhört Pilze zu essen und Kevin Smith auf Kaffee umsteigt? Der erfolgreichste, teuerste Bond seit immer. Kinobesucher mussten medizinisch versorgt werden. „Das kann ja kein Mensch bezahlen!“, waren Alexander K.s letzte Worte, als er in der Nacht vom 10. auf den 11. November nach intensiver ambulanter Behandlung verstarb. Berlins Hymne: Ghetto Ching Ching. MTV behauptet unterdessen, ihr Sender hieße „Me Totally Vomitting“. Regenschirme gelangen in die Top 10 der Deutschen Verbrauchsgüter. Großkotzige Kleinkunst überall, die Welt dreht durch. Good Morning Insanity.
