Archiv für Oktober 2008
Zdzisław Beksiński
Oktober 27, 2008Zeit zieht ins Lande
Oktober 25, 2008Protest ist…
Oktober 22, 2008Regisseur Uli Edel und Produzent Bernd Eichinger wagen sich nach zahlreichen Verfilmungen erneut an das Thema „RAF“ und befördern in ihrem Drama den Schrecken des Terrors in einer nie da gewesenen Intensität auf die Leinwand. „Der Baader Meinhof Komplex“ ist gewissenhafte Aufarbeitung deutscher Geschichte, welche endlich mit der mystifizierten Revolutionsromantik vergangener Produktionen bricht und ein blutiges, zugleich aber auch realistisches Bild des RAF-Terrors zeichnet.
Seit Jahren nicht nur die budgetträchtigste, sondern auch wohl interessanteste deutsche Verfilmung: „Der Baader-Meinhof Komplex“. Und das auch noch mit einem Thema, das an (ehemaliger) Kontroversität und Heikelkeit in Deutschland kaum zu übertreffen ist. Nach dem Kinobesuch stellt sich bei diesem sicherlich nicht zu unterschätzenden Streifen die Frage: Ist es nur eine zeitgeschichtliche Portraitierung, oder ist es bereits mehr? Stellt man die filmischen Höhen (Spannungsbogen und Schnitt, schauspielerische Leistungen, Kraft der Bilder, Authentizität) und Tiefen (Überlänge, Score, Schwerpunktsetzung) in Zusammenhang mit der Geschichte, ergibt sich etwas, das mir nach mehr aussieht als nur einer nüchternen, halbkünstlerischen Dokumentation der Geschichte dieser ersten Generation der Roten Armee Fraktion. Andreas Baader – wunderbar cholerisch von Moritz Bleibtreu, Martina Gedeck als Ulrike Meinhof (mit einer bewegenden charakterdramaturgischen Darstellung) und Gudrun Ensslin, von Johanna Wokalek dargestellt (linksextremistisch vernarrt und ebenso intensiv wie die Figur des Baaders) – das sind die zentralen Figuren des Baader-Meinhof Komplexes. Und trotz der nüchternen Art des Films, oder auch gerade deswegen, wird er vielleicht emotionaler als gedacht, das Interesse am politischen Geschehen, das eh nur bruchstückhaft abgehandelt wird, rückt schnell in den Hintergrund und spätestens nach Beginn der Verhandlungen wird die Psyche der Charaktere umso anziehender. Daneben aber wühlt die Thematik – und dazu hätte es natürlich nicht noch einen Film über die RAF gebraucht – ein viel allgemeineres und tiefer verwurzeltes Problem auf. Die ständige Folge von Zorn und Kampf, Protest und Opposition, Links und Rechts. Der Zusammenhang von Gewalt und Politik könnte in keiner Geschichte puristischer dargestellt werden, und das ist es auch, was Bernd Eichingers Film den anderen, subjektiveren Stoffverfilmungen trotzdem vorraus hat. Er beschreibt ohne Stellung zu beziehen, ja sogar ohne besonders künstlerisch zu sein, wie der Mensch seine Welt verändert.
In den tatsächlichen Worten Ulrike Meinhofs: „‚Protest ist, wenn ich sage, das und das paßt mir nicht. Widerstand ist, wenn ich dafür sorge, daß das, was mir nicht paßt, nicht länger geschieht.“
und werden zu Menschen
Oktober 17, 2008
J. G. Herder und Humanismus
Oktober 1, 2008
[...] Humanität ist der Charakter unsres Geschlechts; er ist uns aber nur in Anlagen angeboren und muss uns eigentlich angebildet werden. Wir bringen ihm nicht fertig auf die Welt mit; auf der Welt aber soll er das Ziel unsres Bestrebens, die Summe unsrer Übungen, unser Wert sein [...] Das Göttliche in unserm Geschlecht ist also Bildung zur Humanität.
[...] Sie [Griechen der Antike] konnten indessen ebensowenig umhin, in diesem aufrecht blickenden, vernunftartigen Geschlecht all die Mängel zu bemerken, die zum bedauernden Mitgefühl, also zur Humanität und zur Gesellung führen.
Nach Herder ist also die Beziehung zwischen Menschen ein Ergebnis der Humanität, der Angelität des Menschen (die auszubilden sei). Damit steht er in Einklang mit seiner religiös geprägten Biografie. Er begeht damit aber (selbstverständlich innerhalb meines persönlichen Weltbildes) zweierlei Fehler, die zwei anderen Männern nicht passiert sind: Friedrich Nietzsche und Sokrates. Herder appelliert mit seiner Moral an die erzieherischen Strukturen. Bildet aus! Sokrates verweilt dagegen seinerzeit mit der Idee des philosophischen Gesprächs viel näher am Boden und damit näher am „Aufwärtsblickenden“, am Menschen. Er appelliert dort, wo es notwendig ist, er korrigiert. Sei! Nicht weniger imperativ als religiöse Dogmen, aber das richtigstmögliche. Weitergehend ist die Idee des „göttlichen im Geschlecht“. Nietzsche sieht dieses, wieder sehr typisch, in der Intelligenz statt in der Humanität, und ist damit viel puristischer.
Was ich zu Herder zusätzlich ergänzen will (und was mir bei jedem typischen Theologen gehörig auf den Sack geht): Gesellung und Sozialität folgen nicht aus Humanität, sondern aus unserer eben doch angeborenen Zerstreuungssucht.
Damit meldet sich der Ungelesene zurück aus einer kleinen Sommerpause.



