Der Sinn des Lebens
Private Auftzeichnung, Juli 1998
»Man kann sein Leben lang lernen und arbeiten und hat am Ende doch nichts erreicht.« sagte mir eine gute Freundin einmal. Diese Aussage zu glauben ist eine Grundsatzentscheidung. Tut man es, ist man ein Träumer oder ein Draufgänger. Friedrich Schiller träumte sein Leben lang von dem ewigen Weiterleben im Geist seiner Werke. Grundsätzlich scheint ihm das durchaus gelungen zu sein. Aber ob Zweihundert Jahre später in unseren Schädeln immer noch der selbe Schiller am Schreibtisch sitzt und verfaulte Äpfel anstarrt wie der damals Lebende, ist eine andere Frage. Träumer findet man überall in der hohen Kunst Dinge zu erschaffen, die andere Menschen empfangen und dann damit machen, was sie eben so damit tun. Sehen, hören, anfassen, damit leben, an ein Kreuz nageln… Menschen formen alles zu einem Kunstwerk, auch sich selbst. Und Nietzsche tut das sogar mit unserer ganzen Gattung. Draufgänger, liebevoll auch Nihilisten, findet man auf beliebigen Parkbänken, aber auch in der nächsten Universität oder im Bundestag. Denn so wirklich mag keiner mehr an die Tugend des reinen Handelns als letzte Sinnlösung glauben. Das konnte man uns weis machen, als wir noch Stahlstangen benutzten, um uns gegenseitig umzubringen. Aber der Mensch ist gewieft und Heute taugt dazu eine vollautomatische Feuerwaffe. Er steht eine Stufe höher bei Gott, und trotzdem versteht er noch immer nicht, was er denn nun mit der Zeit anfangen soll, die ihm auf der Erde geschenkt wurde. Denn mehr als nur die grobe Andeutung eines Sinnes erfahren wir nicht, auch nicht wenn wir glauben unsere Bestimmung in der Welt oder gar eine ganz eigene Welt gefunden zu haben. Was bleibt ist ein fahler Beigeschmack von Depression und Sinnlosigkeit, in etwa so als würde man jetzt noch in Schillers Apfel beißen. Wir denken zu viel und doch gleichsam zu wenig, wenn man bedenkt was die Weltgeschichte an Komödien zu bieten hat. Hat Hamlet den Sinn des Lebens entdeckt, war es Darwin oder vielleicht doch Arthur Dent? Hätte man Jesus Christus oder Mahomet den Propheten fragen sollen und hätten sie eine Antwort gewusst? Möglicherweise kennt eine hawaiianische Haushälterin die Antwort, backt Kekse und lacht sich den ganzen Tag über die Hilflosigkeit der Menschheit schlapp. Irgendwann wird sie alt und nachdem sie genug gelacht hat, schreibt sie alles für die Nachwelt auf. Danach verwertet jemand das Papier wieder und möglicherweise wurde damit diese Seite gedruckt. Möglicherweise ist unser Lebenssinn aber auch viel zu komplexer Natur, um ihn mit einem Gehirn wie dem unseren verstehen zu können. Mutierte Elefanten oder selbstreproduktive Supercomputer wären angesagt. Oder, und das muss zum wesentlichen Amusement Gottes beigetragen haben: Es gibt gar keinen Sinn. Wir könnten infolge eines kosmischen Unfalls entstanden sein oder wir sind ein Exkrement des reinen mathematischen Zufalls.
Die fadenscheinige Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest ist wie ein Weltmeistertitel – nie länger als ein paar Jahre beständig. Es zerbrachen Generationen von Dickköpfen an ihr und nie war das Ergebnis endgültig. Und solang das so ist, gebe ich der Welt folgende Antwort:
Der Sinn des Lebens ist,
(unleserliche Schrift)

Ein CSU-Bundestagsabgeordneter namens Ernst Hinsken hat es tatsächlich zustande gebracht, ausgerechnet eine 40.000-Menschen-Vorstadt wie Straubing für einen Tag zum Mittelpunkt der Nation zu machen, wenn Angela Merkel und Nicolas Sarkozy am 9. des Monats ein politisches Dinner for Two betagen. Weltgeschen vor Ort – so etwas kennt der Straubinger schon seit den Römern nicht mehr richtig. Dementsprechend groß ist auch sowohl die Verwirrung als auch die Spannung.