Bayern hier. Das Rauchergesetz ist seit einer guten Woche da – das “Auf der Straße trinken? Du spinnst wohl, mit auf die Wache”-Gesetz in meiner Stadt schon seit ein paar Jahren. Mit dem Zweiten kommt man eigentlich super klar. Natürlich hat man mit der Zeit Mittel und Ideen, das elegant und ohne groß anzuecken zu umgehen. Aber mit dem Rauchergesetz wird die deutsche Partygesellschaft auf eine neue und scheinbar harte Probe gestellt. Parkbänke können sie nicht entfernen, Aschenbecher schon. Und wenn man dann mal wieder ein Café betritt, die Schachtel rote Pall Mall aus der Jackentasche holt und das Kaffe-Zeitung/Gesprächspartner-Zigarette Dreieck schließen will, plumpst einem wieder ein Stein in den Magen. Wo ist denn das gläserne Ding in der Mitte des Tisches hin? Und was macht der bayrische Raucher da, wenn es nichtmal Raucherecken gibt? Natürlich: Rausgehen. Und das heißt um diese Jahreszeit Kälte und das, frisch aus der Disko geschlüpft, oftmals im T-Shirt und Sommertop. Da wird eben dann streßgeraucht und mehr gesüchtelt als genoßen – Zerstörung der Raucherkultur? Es wird sich zeigen, ob das ganze in den wärmeren Monaten besser wird, vorstellbar ist es.
Was das Gerücht des unter dem nicht vorhandenen Rauch hervorquillenden Tanzgestanks betrifft, das hält sich eigentlich in Grenzen. Man fühlt sich zwar allgemein ein bisschen mehr wie in der Turnhalle als in einer Kneipe, aber das Gefühl wird in der Regel ganz gut von der Stimmung überdeckt. Unglaublicherweise haben übrigens die meisten Lokale tatsächlich noch eine andere Seite, wenn man auf der Gegenüberliegenden steht. Wahnsinn, was die klare Luft so alles offenbahrt – hoffentlich nichts, was man lieber übersehen hätte. Gegen die Winterkälte und den Weg nach Draußen jedes Mal aber ein nicht besonders lukrativer Tausch. Aber nichts wird so heißt gegessen wie es gekocht wird: Natürlich zündet man sich ab- und an trotzdem eine Zigarette im Stammlokal an. Nur ob man dann nur diskret darauf hingewiesen wird, seine Atemabgase woanders zu entsorgen oder gleich mit Stiefeln rausgetreten wird, ist halt quasi Berufsrisiko.
Ich gebe jetzt schon einen heißen Tip für den beliebtesten Anmachspruch 2008 ab: “Gehen wir eine Rauchen?”. Was das angeht, ist der Mensch, und besonders der Raucher, eben immernoch ein Herdentier. Denn wo sind die Partyleute dieses Jahr? Im angesagten Beatschuppen? Nein, da waren sie ja schon letztes Jahr nicht mehr. Natürlich. Im Bushäuschen davor!
Und jetzt gehe ich eine rauchen.
Januar 15, 2008 um 3:47 |
Rauchen hin, rauchen her.
Ich bin Nichtraucher. Ich finde rauche blöd, unangenehm und ungesund.
Dennoch halte ich das Rauchergesetz für einen extremen Eingriff in die lt. Grundgesetz zugesicherte, freie Entfaltung der Persönlichkeit.
Andersrum ist diese Entfaltung ebenfalls gestört, wenn ich in einer Kneipe eingequalmt bin bzw. werde.
Also wo ist der Mittelweg?
Ganz einfach, die Lautstarke Demonstration bzw. Kennzeichnung einer Gaststätte in Raucherkneipe und/oder Nichtraucherkneipe, ganz enfach.
So kann ich mir als Raucher oder als Nichtraucher bereits im Vorwege, beim Vorbeifahren überlegen ob ich dort rein will oder nicht.
So können die Raucher rauchen und die Nichraucher mitrauchen oder auch nicht Rauchen.
Mit herzlich nicht rauchigen Grüßen aus Hamburg!
Januar 16, 2008 um 7:12 |
Die Einteilung würde (laut Gesundheitsminister) in Wettbewerbsverzerrung enden. Geht dann wohl auf die Kosten von Dritter, in dem Fall natürlich die Lokalbesitzer.
Herzliche verrauchte Grüße aus Bayern