Angst und Schrecken auf einem Miniaturfestival

September 7, 2010

(Aus einem ungenannten Magazin herauszensiert). Den Fuß voll im zweiten Gang rutschen wir Freitag den 3. Siebten. durch den Kreisverkehr zum Gelände der Sturm-Gruppe, Tom Jones in den Boxen und eine fadenscheinige Presseakkredetierung im sehr beschränkt gehaltenen Gepäck. Das Papstdach des Centro Benedetto kommt in Sicht und ich drehe den Lautstärkeregler auf links, um den durcheinandergeschmissenen Goa- und Drum’n'Bass-Tönen zu lauschen. Versehentlich benutze ich dazu die Augen und verfehle die Stoßstange meines Vordermanns nur um Zentimeter. R. lacht vom Beifahrersitz und zitiert den vielleicht berühmtesten Anwalt der Welt: „Bist du bereit mit einem fürchterlichen Rausch unter falschem Namen in einem Festival einzuchecken mit der Absicht einen schweren Betrug auszuüben?“. Was den Betrug angeht, war der Satz wohl gelogen, es sei denn, wir wollten uns selbst um unsere Gehirnzellen betrügen, aber ich war durchaus bereit. Vor uns biegen die Autos in das Campinggelände ein, aber wir lassen uns in einer der betonierten Parkplätze schlittern und ich quittiere den Dienst am Lenkrad mit dem leisen Verdacht, ich könnte hier abgeschleppt werden. Am Schalter gegenüber weiß natürlich niemand wer wir sind. Auf meinem Führerschein steht nicht Wilhelm Skrjabin und Telefonate werden geführt. Wir sind nicht sicher ob wir überhaupt das Bare haben, um den Eintritt zu bezahlen – aber genug Alkohol um später vollgetankt die Umzäunung umzuwalzen. Meine Nummer steht in ihren Unterlagen, sie rufen da und mein Handy fängt an zu klingeln, das reicht ihnen dann und wir bekommen ein weiteres Papierfestivalband umgeschnallt.

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Unterwegs in Sachen Film

August 6, 2010

In nächster Zeit führe ich meine Kino- und Filmkolumne auf avarty.com fort.

Inception

Juli 29, 2010

Gerade dem Kinosaal entschlüpft möchte man bei Christopher Nolans bombastischem neuen Machwerk vielleicht kurz denken, man ließe sich von der überraschend gekonnten Symbiose von Philosophie, Durchhaltevermögen, Beobachtungsgenauigkeit (die wichtigsten Tugenden eines offenen, ungekünstelten und guten Filmes) und purer Blockbustergewalt sowie Massentauglichkeit täuschen und sei nur wegen der ungewohnten Tatsache, dass eben das in „Inception“ so gut funktioniert davon überzeugt, man hätte gerade ein Meisterwerk gesehen. Aber wenn man genauer darüber nachdenkt, kann man nicht anders als Nolan schlicht Respekt für das zu Zollen, was wohl den gesamten Kinosommer überstrahlen wird: Der nächste von ihm gesetzte Meilenstein nach „The Dark Knight“, und diesmal ein wesentlich bedeutenderer.

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Synecdoche, New York

Juni 22, 2010

Synekdoche: [...] So kann ein Wort durch einen Begriff mit engerer oder weiterer Bedeutung, einen Ober- oder Unterbegriff ersetzt werden.

Stellt man sich vor, man würde Charlie Kaufman auf einem Filmfestival begegnen, wie er sich seinen eigenen Autorenfilm Synecdoche, New York ansähe, könnte man unter Umständen folgendes feststellen: Der reale Autor des Films beobachtet den fiktiven Autor eines Theaterstücks dabei, wie er einem eigens für die Rolle, die er selbst ist, eingestellten Schauspieler Regieanweisungen gibt und wiederum den Schauspieler des Regisseurs des Regisseurs aus der ersten fiktiven Ebene aus dem Kopf von Kaufman beobachtet. Jetzt würde das noch weiter führen, nehme man an Kaufman würde so tun, als gäbe er den Figuren in Synecdoche Regieanweisungen. Mit diesen Erzählebenen hatte schon sein Drehbuch zu „Adaptation“ (2003) gespielt als wäre es eine Selbstverständlichkeit, so zu erzählen. Und das macht die von Surrealismen und Grotesken gespickten Geschichten von Kaufman auch so anziehend: Sie verstricken sich nie in ihre eigene Komplexität – lösen zwar wenn notwendig alles in nicht nachvollziehbaren Symbolismus um, wirken aber nie künstlich oder zurechtgelegt.

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Zeta Acosta

Mai 12, 2010

Ernsthafte Straßenschlachten waren nicht Oscar’s Ding, aber in einer Kneipenschlägerei war er die Hölle auf Rädern. Jedwede Kombination aus einem 113 Kilogramm schweren Mexikaner und LSD-25 ist eine potentiell tödliche Gefahr für alles innerhalb ihrer Reichweite – aber wenn der betreffende Mexikaner in der Tat ein stockwütender Chicano-Anwalt ist, absolut ohne Furcht vor allem, was auf weniger als drei Beinen geht, und sich in der de facto suizidalen Überzeugung befindet, dass er mit 33 Jahren sterben wird – so wie Jesus Christus -, dann hat man wirklich ein Problem am Hals. Speziell dann, wenn der Bastard bereits 33 1/2 ist, den Kopf voller Sandoz Acid, eine geladene .357 Magnum am Gürtel, einen axtschwingenden Chicano-Leibwächter stets an seiner Seite und die peinliche Angewohnheit hat, alle 30 oder 40 Minuten gezielte Geysire puren Blutes zu erbrechen, wann immer seine angeschlagene Leber keinen weiteren puren Tequila mehr verträgt.

Hunter S. Thompson, Rolling Stone Magazine 1977

Kinokritik: Kick-Ass

April 25, 2010

„Kick-Ass“ ist gleich auf mehrere Arten in seiner Vermarktung selbstreferenziell. Titelgebend ist nicht nur der unbeugsam vom Superheldentreiben beseelte Dave (Aaron Johnson), sondern auch der Arschtritt, den der Film dem Superheldenkino mit seinen nicht ganz so polierten Indiependentstiefeln verpasst. Nicht nur Kick-Ass ist ein aus sich selbst herauswachsender, Bösewichter in die Flucht schlagender Irrer, sondern auch der Film selbst begreift sich als Solcher. Matthew Vaughn (Regie) streift durch den Norden von L.A. und tritt ungefragt Türen ein – nicht zuletzt die des seinerzeit zurecht schlechtbesuchten „The Spirit“, dessen fiktiver dritter Teil in einer Stadtszene die Aushängewand eines Kinos schmückt. Ohne aber mit Plagiaturwitzen dahinzuseiern schafft es „Kick-Ass“ durchaus, länger im Gedächtnis hängen zu bleiben als die Superheldenvertreter aus Hollywood.

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Kurz die Fantasieoscars 2010

März 9, 2010

Dass es die strammen goldenen Männer, in einer isolierten Welt der fiktiven Kunstindustrie aufgewachsen, selten wirklich in die Hände derjenigen schaffen, die es wirklich verdient hätten, ist geläufig. Die diesjährigen Academy Awards waren nach den langweiligen, vorauszusehenden Nominierungen mit dem klaren und durchaus starken Gewinner The Hurt Locker und anderen Verleihungen in den großen Kategorien nicht ganz ungerecht. Natürlich haben es aber auch sublimitätenlose Knallereien wie Avatar zu Gewinnen gebracht.
Hier also nach dem Filmjahr 2009 in meinem Ermessen die Ferse auf die Oscartube der wichtigsten Kategorien (frei von Nominierung, US-Produktionen, mit Ausland als gezwungenermaßen bilingualer Blog).

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Boxoffice im Frühjahr 2010

Februar 27, 2010

Dominiert von Regisseuren und tragenden Hauptdarstellern, die schon entscheidend besser gearbeitet haben: Diverse Winterbuster.

Update: 08.03. Alice in Wonderland

10.03. Up in the Air
14.03. The Ghostwriter
18.03. From Paris with Love
31.03. Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest

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16mm-Dystopie

Februar 11, 2010

2008 taucht im Museo del Cine, Buenos Aires eine Sechzehn-Millimeter Kopie von Fritz Langs expressiven Klassikers „Metropolis“ (Deutschland, 1927) auf. Die jetzt restaurierte Fassung dieser Kopie war seit 80 Jahren nicht mehr zu sehen. Im Rahmen des Berlinaleprogramms zeigt ARTE morgen, am 11. Februar um 20.45 eine Liveübertragung der geplanten Vorführung in Berlin.

Nicht nur historisch, sondern auch filmisch Grund genug, den Freitag Abend in die Samstag Nacht zu verschieben.

Das asiatische Rachekino

Februar 11, 2010

Abseits der westlichen, stark expandierenden Filmindustrie hat sich unter anderem das fernöstliche Kino eine gewisse Ursprünglichkeit, eine Struktur bewahrt. Die poetischen Bilder eines Takeshi Kitanos, Miikes oder Wook Parks sind Unikate, die sich so nur eben dort finden lassen. Und sie beschäftigt das selbe, in der Kultur sehr tief verwurzelte Thema: Die Rache. In dieser Welt finden sich einige sehr empfehlenswerte Filme.

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